nach dem Kongreß

Die Frau hört Schlüssel klappern. Sie tippt den Satz zu Ende. Die Geräusche beim Öffnen der Tür sind ihr vertraut. Möchten Sie die Änderungen im Dokument speichern? Ja. Das Abstellen der Tasche hört sie. Herunterfahren? Ja. Die Frau lehnt sich zurück.

Sie schaut sich eine Grünpflanze an, betrachtet das Dach von Haus gegenüber.

Beginnt sich hellblaue durchsichtige Socken auszuziehen. Der Mann tritt ins Zimmer. Der Mann stellt sich an die Lehne ihres Stuhls. Er faßt mit seiner rechten nach ihrer Stirn, mit seiner linken nach ihrem Kinn. Nun wäre es schon schwierig seinem Kuß zu entkommen.

“Tach Schatz”, sagt er knapp vor ihrem Mund.

“Ja”, antwortet die Frau, faßt über sich nach seinen Nacken.

Er öffnet ihren Hosenknopf, erreicht die Bünde von Bluse und Unterhemd, zieht ihr beides über den Kopf. Wieder stürzen ihre Zungen in einen Ringkampf.

Seine Hände verlassen ihre Brüste. Er will sich seiner Hose selbst entledigen.

Die Frau, aus ihrer stolpernd, erreicht das Bett. Der Mann noch in Socken, noch mit Basecape hechtet in die selbe Richtung. Sie fallen aufeinander. Sie fallen aus der Welt.

Beide klammern sich an ihre Gerüche.

Sein Oberschenkel zwischen ihren Beinen macht es beinahe alleine.

Sie lacht leise, zufrieden, willkommen, gibt seinen Nacken auf. Ihre dünnen Finger jagen hinab. An den Ort, an dem bald die Milch entspringt, die mit dem kompletten Bauplan, den Millionen Kopien. Den Weg wissen die schon.

Als der Mann nicht mehr weiter kann, sich neben sie legt, sucht sie nach einer Decke, faltet sie auf und über beide hinweg, fragt: “Was war das nun für ein Kongreß und was hattet ihr dort zu tun?”

“Beschallung haben wir gemacht und den Funk für die Dolmetscher. Thema des Kongresses war: Sexualität und Sprache.”

“Und?” fragt die Frau weiter, “was haben wir gerade getan: gevögelt oder die Ehe vollzogen?” Ihre Finger erwischen wieder den kleinen noch nassen Schwanz.

“Es gab viele lateinische Begriffe, in spanisch oder portugiesisch klingts auch nicht übel, einer sagte, das Wort Abspritzen erinnere ihn an eine Demonstration die gerade von der Polizei aufgelöst wird. Dann hat er eine Bettszene nachgespielt:

Mann ist abgerollt, Frau fragt ihn: Bist du gekommen? Und der Mann: Was? Wie? Ich bin doch schon die ganze Zeit hier? Wer ist gekommen? Wohin? Mit dem Zug, mit dem Flugzeug, mit dem U-Boot? ... Konnten die alle mal lachen, die Doktoren, Professoren, die ganzen gebildeten Spanner.”

Die Frau leckt Salz aus seiner Kehle von Hals und Schulter.

Der Mann fügt hinzu: “Ich finde drüber reden sinnlos. Wir haben vier Augen, vier Hände, zwei Zungen!”

Die Zähne der Frau greifen nach seinem linken Ohr, sie sagt:

“Nö, ich finde drüber reden auch geil.”

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