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Der Neue in der Tür Heute kommt der Neue. So sehr ich hoffte, daß dieser Tag nie kommen möge, so genau wußte ich auch, daß es passiert. Oder: unsere Behörde besetzt diese Stelle nicht neu, geht aber aus Miet-ersparnisgründen aus der 11. Etage raus und ich kriege eine Sekretärin von denen rein. bringt auch nichts. Bei der einen Frau hier, die was taugt, ist schon ein anderer dran am Rumfummeln. Also ein Neuer. “Zeigen Sie ihm wo alles is!” Soll er sich doch selber kümmern, mußte ich auch, mir hat auch niemand ... naja, zugegeben: ich hatte eine 1A-Einarbeitung. Aber weiß der doch nicht. Es klopft. Ganz schön laut, der hält sich wohl für was ganz wichtiges. “Ja, bitte.” ”Guten Tag, man hat mir gesagt, hier wäre ein Tisch für mich, mein Arbeitsplatz”, hält mir seine schwindsüchtige Flosse hin, Handgeben is vorbei mein Freund und Kupferstecher, “Wolfgang Schuhmacher.” “Der Tisch hier ist meine. Vielleicht nehmen Sie den da drüben!” “Gut, nehme ich den freien Tisch, hahaha ...” Witzig ist der auch noch oder denkt der, daß ich gescherzt habe? Oh, hier wird viel zurecht zu biegen sein! Und wie der aussieht! Und wie lang der ist, wie Dirk Nowicki nach Magersucht oder nach schlecht verheilter Lebra. Diese freundliche Fresse dazu. Dabei gibt's hier nichts zu lachen. Hier ist Arbeit, kein Ausflug. Die halbe Nacht habe ich wach gelegen. Habe überlegt mir eine Trockenbaufirma zu bestellen, die ‘ne Zwischenwand einzieht, oder kündige ich besser gleich, oder werde zumindest krank ... hab ich Fieber gemessen: 36,2. Oder ich könnte ja beim Pentagon anrufen, mir ein Reagenzglas resistente Pockenstämme bestellen. Die kippe ich dem dann auf seine Tastatur. Bevor die Amis das Zeug wieder an Araber verkaufen ... Nein, halt! Ich bin kein Terrorist! Ich bin sauer, zugegeben, aber ich bin nicht arm! Wollt Ihr mal sehen? Ich gehe schließlich arbeiten! Habe mir einen Tee gekocht, früh nach Viere. Dachte: Kaffee trink ich den ganzen Tag, koche ich mal'n Tee. Ist ooch noch nicht hell draußen. Beim Militär hatten wir auch mal einen Tag keinen Kaffee. Lange her, damals, '86. Bei der Einberufung kam einer an: rotzfrech, langhaarig, offen, total sympathisch, fiel mir sofort auf. Ein anderer stand im Gang nach dem Raustreten immer genau mir gegenüber: ein Auge zu, das andere halb offen, eine Fresse wie alles Elend des Militärs und Armut des Planeten zusammen. Während einer Nachtübung wurden wir als Zweierbesetzung eingeteilt. Bekam also nicht den offenen, ehemals langhaarigen. Ich kriegte das geschlossene und das halbe Auge, dankeschön. Staunte, daß der überhaupt sprechen konnte. Aber dann war diese Nacht ein Kinderspiel, Halbauge total in Ordnung, ruhig, zuverlässig, war draußen Schlagzeuger innner Bluesband. Und der sympathisch-total offene-ehemals langhaarige wurde uns bald eher unheimlich: der fuhr in Urlaub wenn er allen anderen gestrichen war. Weshalb wohl! So schaffte ich es, mich mittels Tee und mannhaften Erinnerungen auf meine Arbeit vorzubereiten. An einem Tag, an einem Tag puren Grauens, einen von vorn herein versauten Tag, an dem ein Neuer kommt. Und wie der Neue das Zimmer zum zweiten Mal betritt, denke ich an die Schlußfolgerungen meiner morgendlichen Sinnage, die gelautet hatte: Umgekehrt zur Visage! Das künftige Wesen und Auskommen umgekehrt zur Visage. Er beginnt seinen Tisch herzurichten, ich schiele rüber, klicke dabei mit meiner Maus, so spürt er, daß ich bis an den Rand zu tun habe, ich guck ihn mir an: doch, der sieht richtig böse aus, eklig geradezu, richtig eklig. |
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