im Januar 2009

Sonntagabend, 18 Uhr 30, erste Ergebnisse der Landtagswahl in Hessen.
FDP mit großem Zuwachs an Stimmen. Was geht eigentlich in einem Menschen vor, der FDP wählt?
Ich glaube, das sind Nichtwähler, die trotzdem Lust hatten hinzugehen.
Ich drehe die Zeit 8 Stunden zurück und stelle mich vor ein Wahllokal, um die Nichtwähler zu beraten. Ich nehme mir vor, offen zu sein und keine Richtungsberatung zu leisten. Ah: da kommt der erste... „Hallo, sind Sie ein Nichtwähler?“
„Genau.“
„Aber, Sie gehen trotzdem rein, was ankreuzen?“
„Warum nicht?“
„Kreuzen Sie einfach etwas mit geschlossenen Augen an?“
„Nee, nee, da lande ich aus Versehen noch auf Roland Koch.“
„Also SPD?“
„Nee, nee, seit Schröder wissen wir doch, daß das dasselbe ist wie CDU.“
„Aha. Also grün?“
„Nee, nee, die Grünen nehmen mir erst den Sprit aus'm Tank und dann das ganze Auto weg. Und dann muß ich fürs Licht vom Aquarium tausende Euro bezahlen, nee, nee, grün nicht.“
„Aber grün ist das Leben!
„Ohne Auto? Und das Aquarium voller Braunalgen?“
„Nehmen sie doch die Linke.“
„Wie? Kommunisten? Gulag, Taliban, Vatikan, Pol Pot?“
„Nein, bis 10 Prozent, sind die nett.“
Ich fürchte er wird FDP wählen und gebe meine Beratertätigkeit, wegen kaputtem Licht im Tunnel auf.

Januar 2009: Profi Peer Steinbrück und Ursula, Mutter aller Laien, gaben bekannt, daß Teile des großen Konjunkturpakets fehlerhaft kommuniziert wurden. Es habe zunächst falsch geheißen, es gäbe 100 Euro für ein Kind und 2500 Euro für ein altes Auto. Richtig ist: es gibt 100 Euro für einen japanischen Neuwagen und 2500 Euro, wenn man ein neunjähriges Kind weiter beschäftigt, ihm die Malfolgen beibringt, so wie Teile der deutschen Sprache und ihm erklärt, daß das Dritte Reich nicht nur aus dem kleinen, lustigen Hitler allein bestand.
Renovierungskosten werden nicht für Schulen und Kindergärten bezahlt, sondern für Autohäuser. Ein deutsches Auto kauft man nicht in der Schule!

Januar 2009: Wirtschafts- und Finanzkrise sind die am meisten gebrauchten Worte. In Fernsehen, Radio, Presse. Manchmal wird im Ton ein Schauer reinen Genusses spürbar. Die Kanzlerin verwendet die unsägliche Wendung „Krise als Chance“.
Ich könnte noch vorschlagen: „Chance als Möglichkeit“ oder „Lieber ein gebrochenes Rückgrat, als gar keins! - Wer einmal lügt, dem glaubt man gern. - Es steht ein Pferd auf dem Flur – Wir hamm den Kanal, Wir hamm den Kanal, Wir hamm den Kanal,… Wir machen durch bis morgen früh!

Zur Rettung der Commerzbank beteiligt sich der Staat mit 25% am Geldinstitut. Ein Karikaturist zeichnet ein Bild mit „VEB Commerzbank“.
Der Staat rettet Banken. Der Staat nimmt für 2009 50 Milliarden Schulden auf. Bei wem eigentlich? Bei Banken?

Es gab auch die Wortschöpfung „verschuldeter Milliardär“. Hat er nun Schulden oder ist er reich? Warum rettet er die Arbeitsplätze nicht mit einem Teil seiner Milliarden? Wir wollen doch gar nicht alles. Und warum kommt er da nicht von selber drauf?

Gehe in ein gutes Restaurant Mittag essen. Ich esse gut, sehr gut, drei Gänge, nein vier: ich folge der Serviererin einen Stock höher, dort gibt es ein Kompott, eins der besten die ich je nahm oder bekam. Ihre Unterwäsche: Aber Hallo!… Als ich unten wieder Platz nehme, kommt der Kellner mit der Rechnung.
„Bitte?“
Es ist ihm peinlich. „Diesmal Herr ähhhh, leider ähhh ... hmmm... mit Rechnung“, druckst er herum.
„Was?!!“
Er wagt es, das Tablett mit Kassenzettel unter der Serviette abzustellen.
Ich sage: „Ich habe nichts. Ich habe in Amerika Häuser gebaut und vieles mehr, das Geld ist weg!“
Der Kellner winkt einen Kollegen heran. Der dreht meine Arme hinter die Stuhllehne und hält sie in einem unlösbaren Zangengriff.
Der Kellner nimmt meine Brieftasche aus meinem Jackett, entnimmt dieser Dreitausend Euro, hält mir die Scheine vor's Gesicht.
„Das ist Privatgeld“, sage ich, trotz schmerzender Arme.
Der Kellner steckt die Scheine in die Brieftasche zurück. Der andere läßt meine Arme los. Von aufrichtiger Reue sichtbar zerknirscht entschuldigen sie sich.

Januar 2009: In Serbien, Bulgarien, Ungarn, Slowakei frieren die Menschen. In Rumänien auch, aber dort ist das nichts neues...
Dieses Frieren ist sehr rätselhaft. Aus zwei Gründen: Es sind Staaten die Rußland gar nichts getan haben, zumindest nicht mit Absicht und:
Wieso entdeckt eine Macht mit der vielleicht weltgrößten, fähigsten, opferbereitesten Armee, die schon mehrere Weltkriege gewann, daß man mit einigen geschlossenen Armaturen viel mehr Schaden machen kann, vielmehr Druck mit drucklosen Leitungen, daß Ängste explodieren: ohne Gas!
Nachdem in den vergangenen acht Jahren die Intelligenz Rußland verließ, erschossen oder inhaftiert wurde, bleiben nur noch zwei Urheber einer solchen Raffinesse übrig: einer für die Opposition, Kasparow, der aber an die Armaturen nicht herankommt und: Putin.
Vielleicht ein Streit Putin mit den vaterländischen Generälen?
„Ich brauche Euch gar nicht“, ruft ihnen Putin zu, „ich werde der Welt auch so beweisen, wozu ein ein Meter fünfzig großer Mann fähig ist!“
Oder eine Bankrotterklärung der Generäle, deren Armee in Tschetschenien mal gegen FSB und Kriminelle agiert, mal mit denen. Eine Armee, die tausende Tote pro Jahr bei internen Rekrutenschikanen verzeichnet. Oder weil man frisch eingezogene Männer zwei Nächte auf einem sibirischen Flugplatz stehen läßt.

Was können Serbien, Bulgarien und die Slowaken dafür? Vielleicht nichts, vielleicht aber haben sie noch nicht genug darüber nachgedacht, auf wen die sich da wärmeerwartend verlassen.
Nun tun sie es sicher und vielleicht ist die Ukraine, das wahre Kameradenschwein?
Der gesamte östliche Himmel voller erhobener weißer Hände: Wir machen doch gar nichts, rein nichts!

Also wer G wie Gas nicht sagen kann, muß B sagen, wie Braunkohle oder A, wie Atomstrom. Bitte nicht verwechseln mit A, wie Alternativen, die halten wir seit 30 Jahren klein und schaffen es, so Putin und Schröder und Eon, RWE, Vattenfall wollen, auch noch weitere dreißig Jahre.


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