Guido muß reden

Leute! ... Ruhig! Leute, es ist doch nur Guido!
Er war viel im Ausland. Nun hat er Angst.
Das ist normal.
Er war in Ländern, in denen sie bei 40 Grad in schwarzen Kutten herumlaufen, in Ländern, wo gewählter Präsident und alle Minister miteinander verwandt sind, Entwicklungshilfe kriegen sie trotzdem.
Er war in Ländern mit Großstädten, in denen die Polizei komplette Stadtteile nicht mehr betritt. In Ländern, in denen man um Trinkwasser mit der Kalaschnikow kämpft! In einer Staatengemeinschaft mit 370 Milliarden Rüstungsetat. In Ländern, wo man zu dunkelhäutigen ungeniert Neger, Kaffer oder Affe sagt. Und die dunkelhäutigen die Autos und großen Häuser der Beleidiger bewundern... und aufeinander mit Macheten einschlagen.

Das ist alles ein bißchen viel, wenn man nicht damit rechnet.
"Very difficult to think about it..."
Er kommt zurück und ist erleichtert und redet und redet, sich die Last von der Seele, ohne die Worte dafür zu finden!
Also redet er vom Land, daß er verließ, unser Deutschland. Er muß reden.
Das kennen wir alle. Jedem von uns ging es schonmal so, daß man nach einem großen Schreck plapperte und plapperte und plapperte und quasselte und laberte und gar nicht wußte warum und worüber, aber raus mußte etwas!

Guido sagte: „Die, die arbeiten dürfen nicht weniger haben, als die die nicht arbeiten!“
Das ist korrekt. Das steht auch so in den Märchen: Goldmarie hat mehr Euros und Biotechaktien im Kittel als Pechmarie. Und hat im Grunde auch einen besseren Ruf... wegen ihrem Fleiß natürlich, nicht wegen der Aktien.

Wie ich das hier so tippe, höre ich eine Lehrerin sagen: „Udo, dein Beispiel mit Frau Holle ist sehr gut, nun wende das Bild bitte auf die heutige Zeit an!“
„Äh, naja… Goldmarie sind die Reichen, Solventen und Pechmarie die 5 Millionen mit Hartz4.“
„Ja, richtig Udo, aber es erhalten auch welche Hartz4, die fleißig sind.“
„Die Aufstocker?“
„Genau, die die arbeiten und bei denen es dennoch nicht zum Lebensunterhalt ausreicht.“
„Ach, übrigens habe ich letztens einen Unternehmer gehört, der sagte, dass jemand der die Arbeitskraft eines anderen benutzt und ihn nicht so entlohnt, dass dieser davon leben kann, es nicht verdient sich Unternehmer zu nennen!“
„Und wie findest du das?“
„Was jetzt?“
„Arbeiten und trotzdem nicht genug zum Leben zu haben?“
„Es ist auf beiden Seiten dämlich.“
„Jetzt aber wieder zurück zu Frau Holle.“
„Naja, wir haben hier zweimal Pechmarie: einmal unglücklich und arm und einmal fleißig und arm.“

Die Lehrerin ist wieder weg. Sie sagte, zweimal Pechmarie habe sie nicht in ihrem Buch stehen. Ich bin von Guido abgekommen: „Die, die arbeiten dürfen nicht weniger haben, als die die nicht arbeiten.“ Ich frage mich kurz, ob das nicht für Reiche auch zutrifft, weiß aber, daß einige Reiche sehr wohl etwas tun. Wie es eben Hartz4-Betroffene gibt, die stupide fernsehen und Prommis um ihre Skandale beneiden und völlig andere, die täglich in Vereinen Dinge tun, die früher bezahlt wurden…

„Die, die arbeiten, sollen mehr haben, als die die nicht arbeiten!“
Ach Guido, wie Recht du hast. Und bestimmt willst du den unteren Rand der Mittelschicht nicht auf Hartz4-Leute losjagen. Auch nicht Aufstocker gegen Leute ausspielen, die für ihren Vermittler täglich Bewerbungen an Firmen schicken, die eigentlich kostenlose Praktikanten suchen?
Nein Guido, du hast nur gesagt, das Arbeit vernünftig bezahlt werden soll… dann laß uns aufs Brandenburger Tor steigen und für den Mindestlohn rufen!

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