Fred berichtet von einer Party,

auf der er sich sehr erschrak und wieder einkriegte

Ja: Fred, ich heiße Fred. Hat meinem Alten gefallen und Mutter hat sich gefügt.
Nun lacht Euch einen ab. Wenn ihr fertig seid, sagt ihr Bescheid ... Sicher gibt es auch berühmte Freds: Fred vom Jupiter oder Fred Aster mit den schwerelosen Schuhen und:
im Vergleich zu Frederick ist Fred ganz sicher das kleinere Übel.
Ich erzähle nur ganz kurz von einer Party, ich war eingeladen, hatte beim Einzug geholfen. Dabei wohne ich dort gar nicht, war nur einem Kumpel ... egal, habe zwei Kisten getragen, bißchen die Tür aufgehalten. “Bringe ruhig paar Freunde mit.”
Ich: “Na die, mit denen ich immer rumlaufe: der Schwerhörige und der Blinde!”
Is okay, hamm wa keen Problem damit, keen Thema!”

Party ist immer gut, hilft beispielsweise bei der Suche nach einer Frau.

Aber dann traf ich in der Woche vor der Party eine in der Schwimmhalle - wenn ich mit dem Schwerhörigen und dem Blinden gehe, kriege ich immer Ermäßigung. Unter Wasser sind wir alle gleich, sagt der Schwerhörige gern. Hatte zur Frau gesagt: “Na, auch bißchen schwimmen.” Sie fand es aber nicht peinlich sondern nett, sagte: “Ich schwimme gern hier außen”, zeigte auf die Außenbahn. Damit hatte ich nichts anfangen können, also fragte ich ob wir draußen einen Kaffee trinken wollen. Eine Stunde später bestellten wir nicht Kaffee, sondern Multivitaminsaft. Jetzt sah ich sie in Sachen und mit trockenen Haaren, Jeans, ein karierter Kapuzenpullover, ein blonder Zopf. Wir treffen uns nächste Woche wieder und ich habe ein, also wirklich ohne zu übertreiben: ein 1-A-Gefühl bei der Sache ... ich brauchte die Party gar nicht mehr, konnte mich völlig unbeteiligt umgucken.

Die Party. Wir gingen pünktlich 0 Uhr 30 auf das Haus zu. Der Himmel war ganz hell, 0 Uhr 30! Paar weiße Wolken, die wurden von unten von der Stadt angestrahlt und von oben vom Vollmond. Die leuchteten richtig, die Wolken, die leuchteten wie Schafe mit einem Tigerherzen. Wäre ja fast lieber draußen geblieben.

Also wir rein, ich stellte uns im ersten Raum vor, weiß auch nicht warum, die guckten so als wollten die’s wissen. Dann kam, was immer kommt:

“Fred? Fred heißt Du? Du sag mal Fred, stört es Dich eigentlich wenn die in den ganzen Popsongs immer singen: Don’t be a Fred?” Paar Frauen zogen den Kasper von mir weg, ich hob den Daumen, der den Kasper lobt: Doch, Spitzengag! Aber ich werde mich nicht umbenennen, ich kann das ab, ich sage immer: besser Fred heißen als gar kein Gebrechen.

Wir betraten das Zimmer mit der Musikanlage. “Man is das laut hier”, kreischte der Blinde. Der Schwerhörige sagte: “Geht doch.” Der Gastgeber war offensichtlich großer Fan der Band “Burn Me”. Kannte ich bis dahin nicht, naja, der ist auch einige Jahre jünger als ich. “Burn me”, stellte ich Verlauf meiner Anwesenheit fest hat sowohl einen Sänger als auch eine Sängerin. Diese Band ist auch im Stil sehr variabel. Sting sang auch bei “Burn me”, ich dachte bisher nur bei Eberhard Schoener und Police.

Waren wieder auf dem Gang. Ich glaube von diesem Gang gingen 10 Zimmer ab, oder 20, war mir beim Kisten abstellen gar nicht aufgefallen. Nächstes Zimmer, der Schock:

ein Stuhl steht da, ein Kerl sitzt drauf, auf seinem Schoß mit dem Rücken zur Tür ein rutschender Hintern, drüber karierter Kapuzenpullover! Blonde Haare.

Ich rückwärts raus. Stehe im Gang wie ein Feuerwehrmann den seine Kollegen kurz vorm Einsturz des Hauses an der Leine raus gezerrt haben. Vor meinen Augen der auf dem Schoß tanzende Po und die Fresse des Kerls dazu: dunkle Strähnen im Gesicht, scheiß 70‘er-Jahrefrisur, dunkle Augenbrauen, Augen mit viel Weiß, ein Arschloch, Rockstar oder Werbemittelverteiler, bei dem trotzdem jedes Weib sofort in Fürsorge und Mitleid verfällt und das vorgezeichnete, in den Himmel gemeißelte Unglück, behandelt wie eine von Wind getriebene Hühnerfeder. Da ist sie, meine tolle Verabredung von kommender Woche:

sitzt voll geil auf halb geilen Achtelstars! Mein 1-A-Gefühl ist jetzt 99-ZZ.

Nichts mit Party ohne Glotzen zu müssen, nun galt es die Linse wieder schärfer zu stellen, supraleichte, intelligent-naive, szenekompatible Bemerkungen auf die Zunge zu legen. Woher nehmen? Scheiß Party, weg hier. Habe ja noch meine beiden Freunde.

Nächster Raum. Hier saßen junge Frauen mit Wollmützen auf dem Kopf, sehr junge Frauen, 17 oder 19. “Was gibt’s hier so?” fragt der Blinde.

“Junge Frauen mit Wollmützen auf dem Kopf”, antwortete ihm der Schwerhörige, sah den Blinden seine Lippen schürzen. Der Blinde sagte und sang: “Du hast doch gesagt, Omis behalten den ihre Mützen auf, in einer kleiiiiiii-nen Konditoreiiiiiii.”

Der Schwerhörige fügte an: “die sind aber nicht 70 sondern 17.”

“Aber vielleicht weise wie 70”, sagte der Blinde mit undurchdringlicher Miene.

“Und! Sie sind für das Gute”, sagte der Schwerhörige, blinzelte dabei reine Freundlichkeit in den Raum. Dafür liebe ich den Schwerhörigen, aber was half es mir in diesem Moment? Meine Verabredung, eine Wand weiter ... mein Gott: die ganze Stadt ist voll reizendster Damen ... aber wie wir in der Schwimmhallen-Caféteria beim Multivitamin beisammen saßen und im Reden keine Kopfstände und keine unnötigen Lächeln nötig waren, das hatte ich so lange nicht, da wußte ich genau: das ist so richtig ... und jetzt sowas, ich hätte doch auch mal Glück haben können ... stürmte jetzt irgendein freilaufendes SEK die Party, ich würde mich im Kugelhagel schlafen legen ... in fernen Nebelwiesen Wunden leckend auf die nächste Inkarnation warten.

(Fortsetzung folgt im Mai 2005)

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