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Zwei Arten den Tag zu beginnen
1 Es beginnt mit dem Aufwachen, damit, daß er seinen Traum vergißt, damit daß er noch im Liegen begreift, daß der Fußboden nicht halten wird, sondern ein Sumpf sein wird, nein: ein weißes oder durchsichtiges Moor sein wird. Ein Zeitlupensturz folgt dem Verlassen des Bettes, Sturz in ein qualvolles und vor allen gewisses Ersticken! Es begann mit der Angst am Abend zuvor, der Angst, daß er sein Leben nicht schafft. Aber es war nicht das erste Mal, daß ihn diese Angst plagte, diese Angst die sagte: nur das Mißlungene gibt Auskunft über dich, das geglückte war eben Glück! Im tiefen Pessimismus siehst du die Wahrheit der Welt. Dies setzt sich, vom Schlaf leidlich unterbrochen, am Morgen fort. Der Fußboden wogt nun wie die Oberfläche des Meeres am Kap Horn, anmutig, aufstiebend, wunderschön und kalt, kalt, kalt. Zwischen dem Erlahmen der Schwimmbewegungen, dem eisigen Salzwasser im Mund und dem Komplettlöschen der Bilder im Herzen wird keine Minute vergehen. Kalte Wasser, die sich bereits in seinen Augenwinkeln sammeln. Er hält sie zurück, Geflenne hat noch nie etwas genützt. Er versteht nicht, weshalb diese Wasser so plötzlich vorhanden sind, außerdem ist er gerne Mann. An diesem Morgen jedoch ist er nicht Mann, nicht Frau, nicht schwul, nicht hetero, nicht tapfer, nicht feige, nur ein bewegungsloser Körper dessen Geist rast, dessen Seele an einem wohl sortiertem Weinen wie an einem Teppich knüpft, also keine Eile hat, denn das Muster wird eine Geschichte erzählen. Aber er weiß nichts von einer Geschichte. So ein Blödsinn! Sein Leben ist bisher normal verlaufen, etwas Kummer viel Glück. Nur eine Schwäche im Moment. Aber was tun, wenn der Fußboden wankend, schalmmweich, für immer schlingernd bleibt? Was unternehmen, wenn diese Wasser in den Augen die Sehschärfe für immer nehmen, daß nur noch die hinderliche Klarheit der Angst... gültig bleibt, vor allen Türen liegen bleibt, wie die Hunde im Märchen mit dem Feuerzeug? Er verzweifelt: Wie kann ich gegen die Pest kämpfen, wenn ich sie im Herzen trage? Mechanisch erhebt er sich. Wohl der Sog der Kaffeedose. Was für ein Zittern in den Füßen. Aha: Es ist nicht der Fußboden der versagt, was sollte mit dem auch sein! Es sind die Füße. Gerissene Sehnen in allen Gelenken. Seine Angst fällt aus dem Herzen, sackt in die Füße und wird zu Beton. Stiefel für Kosmonauten. Geht in die Küche, als ginge er auf dem Mond. Beginnt tonlos zu weinen. Die Kap Horn Wasser erwärmten sich auf seinen Wangen, Handrücken, denn er wischt auf ihnen herum. Zögert im Türrahmen, bereit für alle Arten Beben, spürt und begreift daß Fußboden und Erde halten werden. Seine nassen Hände zittern. Kacke, Pisse sagt er zu seinen Händen, vielleicht ist das die Strafe für irgendwas, oder wer liebt, kennt auch Angst? Was liebe ich eigentlich? Was denn? Oder... oder wen? (im Juli folgt die andere Art den Tag zu beginnen) |
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